Pressemeldung

Mit Mail-Art* in Coronazeiten         KUNST AUF DEN PUNKT GEBRACHT

>Auf den Punkt gebracht< ist dabei ein kreatives Gedankenspiel von mir. Die künstlerische Fragestellung richtet sich gerade in der „geschlossenen Findungsphase“ (kein Kontakt, keine Ausstellungen, kein Diskurs) auf einen sehr kleinen Teil unserer sprachlichen Kommunikation – den Punkt.

 

„Bis ins 9. Jahrhundert hinein sind Punkt (er ist das älteste Satzeichen) und Doppelpunkt gebräuchliche Zeichen (ursprünglich konnte der Punkt übrigens unterschiedliche Funktionen erfüllen, je nachdem, ob er am Zeilenkopf, in der Zeilenmitte oder ganz unten in einer Zeile stand). Auch im Althochdeutschen kommt den vorhandenen Satzzeichen die Aufgabe zu, dem Sprecher das Vortragen zu erleichtern. Wichtig ist jedoch, dass eine Interpunktion zwar in gewissem Maße vorhanden war, dass diese jedoch keiner einheitlichen Regelung unterlag und noch lange keine konsequente Anwendung fand.Quelle: Fachbereich Linguistik und Literaturwissenschaft der Universität Bielefeld.

 

Georges Seurat, der Begründer des Pointillismus (frz. Point = Punkt), beschäftigte sich intensiv mit den damals neuen Erkenntnissen zur Farbenlehre von Eugène Chevreul und entwickelte diese Malweise Anfang der 1880er Jahre unter Bezug auf wissenschaftlich belegte Farb- und Wahrnehmungstheorien. Seinen Stil nannte er zunächst Chromo-Luminarismus (Farblichtmalerei), später dann Divisionismus (Teilungsmalerei), der von seinem Künstlerkollegen Paul Signac und anderen fortgeführt wurde. Ablehnende Kritiker bezeichneten die Malweise damals spöttisch als Confettisme, Konfettikunst. Doch wie sieht der Punkt eigentlich aus, ist die zentrale Fragestellung der Kunst? Welche Form hat er? Ist er nur ein ungegenständlicher Fleck? Oder quadratisch, vielleicht rund?

 

Im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit von Bildern durch Sieb- und Offsetdruck hat der Punkt auch Einzug ins Bild genommen. Bilder in Zeitungen sind durch das mehrstufige Druckverfahren aufgerastert in zahlreiche kleinste Punkte, die nur unter der Lupe sichtbar werden. Mit dem Einzug der Computer und digitalen bildgebenden Verfahren werden die Fotografien und ihre dargestellten Gegenstände in Pixel aufgelöst. Dabei wird der Begriff „Bildauflösung“ durch Pixel für den technischen Vorgang sowohl für die Wiedergabe auf Monitoren, als auch im Druckbereich verwendet und bekommt hier erneut ein künstlerisches Charakteristikum, wie Beispiele von Roy Lichtenstein, Andy Warhol oder Sigmar Polke mit seinen Siebdrucken in den 1970er Jahren belegen.

 

Meine Arbeit >Auf den Punkt gebracht< fokussiert den Punkt als künstlerisches Mittel. Dabei wurde im Zufallsprinzip ein Punkt aus den vorhandenen Standardschriften des Computers herausgelöst und einer künstlerischen Transformation unterworfen. Nach allem technisch Machbaren wird er vergrößert und verkleinert, kopiert, gescannt, ausgedruckt, neu zu einem eigenen Bild zusammenbaut. Ergänzend werden Fragmenten von Mode-, Architektur-- und Kunstzeitschriften aufgeklebt, um die Arbeitsfläche im Detail einzufärben und weiter zu individualisieren.

 

Nach der endgültigen „Findung“ des offenen Kunstwerks werden alle Motive gescannt und einer behutsamen Stärkung des Kontrastes und der Farbtiefe unterzogen. Die Endfassung wird ausgerichtet, digital zugeschnitten und final ausgedruckt. Anschließend findet das Stempeln, Datieren und Signieren statt. Abschließend werden dabei noch mit grafischen Stiften Konturen gezogen. Wahrscheinlich wird man dadurch automatisch an das >Dot-Painting< oder den Pointillismus erinnert.

 

Ich greife diese Technik als bildgebende Ideen auf und schaffe mit >Auf den Punkt gebracht< neue Sichtweisen, die neben der Sichtbarmachung auf dem Computerbildschirm später zusätzlich als Mail-Art im Blickfeld des Postzustellers und Empfängers in schwierigen Corona-Zeiten für Heiterkeit sorgen.

 

 

*Künstler aus aller Welt folgen den Spuren von Ray Johnson, der in den 1960er Jahren die Mail-Art Bewegung durch seine New York Correspondence School begründete. Im Umfeld von Neo Dada, Fluxux und Pop Art entstand ein Netzwerk, das jedem offen steht, einerlei ob er sich als Künstler oder als Kunstinteressierter begreift. Von Beginn an war Mail-Art eine Netzwerkkunst, die sich selbst reflektiert, künstlerische Idenitäten und virtuelle Personen hervorbringt und soziale Verhaltensweisen der Teilnehmer verändert. Dies ist möglich, denn Mail-Art ist immer Denk-Kunst, die zum Experimentieren und Spielen einlädt.

 

 

https://www.kettererkunst.de/lexikon/mail-art-correspondence-art.php

https://www.spiegel.de/geschichte/mail-art-a-948625.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Mail_Art

Auf den Punkt gebracht 

 

Oder wie aus Punkten Bilder werden.

 

Andreas Petzold

 

Dass Kunst zum Großteil  Homeoffice ist, wissen wir nicht nur seit Spitzwegs „Armer Poet“. Kein anderes Bild erfreut sich heute so großer Popularität wie der "arme Poet". Das Klischee des sich nur auf das Geistige konzentrierenden Dichters, den materielle Äußerlichkeiten nicht interessieren. In einem schäbigen Dachzimmer auf einer Matratze liegend, gegen die Kälte mit einer Decke, einer abgewetzten Jacke und einer Schlafhaube ausgerüstet und mit einem Schirm gegen eindringendes Regenwasser geschützt, scheint der Dichter sich unbeirrt von den widrigen äußeren Bedingungen ganz der Ausarbeitung eines Gedichtes zu widmen.

Die Kritiker verstanden das Bild als Angriff auf die Idealität der Dichtkunst und zugleich als Angriff auf die idealisierende Kunst schlechthin, wie sie vor allem durch die akademische Historienmalerei vertreten wurde. Auch werden die oft elenden Umstände deutlich, unter denen eine Vielzahl verarmter Künstler zu leiden hatte, und wird die von Zeitgenossen diskutierte Frage nach dem Sinn und Zweck einer überquellenden, aber oft nur mittelmäßigen Kunstproduktion gestellt: die Werke des Dichters liegen vor dem Ofen als Heizmaterial bereit.

Greift man die Situation der heutigen Kunst- und Kulturschaffenden auf, so zeigt sich die Corona-Situation sehr ambivalent. Von radikal frustriert bis wütend kreativ. Von stressfreier Arbeit bis hin zu neuen virulenten Sichtweisen. Vom befristeten Pausieren bis hin zur kreativen Selbstaufgabe. Die Kulturportale sind voll von Situationsbeschreibungen, Problemstellungen und kreativen Zukunftsperspektiven. Vieles ist dabei auf den Punkt gebracht.

 

 

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