Deutschlands erster Kunst-Sommelier

Zuständiger Kellner für bildnerischen Geschmack!

Die Bezeichnung ist vom altfranzösischen Wort „somme“ (Amtspflicht) abgeleitet. Ursprünglich waren Sommeliers in Klöstern für Geschirr, Tischwäsche, Brot und Wein verantwortlich. Der Beruf des Sommeliers ging aus dem mittelalterlichen Amt des Mundschenks hervor. Heute ist Sommelier die Bezeichnung für einen Weinkellner in der gehobenen Gastronomie. In einem Restaurant mit gut bestücktem Weinkeller ist er für den Einkauf, die Lagerung und die Pflege der Weine, sowie für die Beratung der Gäste zuständig. In Spitzengastronomie-Betrieben gibt es in der Regel umfangreiche Weinkarten. Diese richtig zu „lesen“ und den zum Essen passenden Wein auszuwählen, erfordert gute Kenntnisse. Deshalb vertraut man sich am besten dem Sommelier des Hauses an. Besondere Kenntnisse sind bezüglich „Harmonie von Wein und Speisen“ erforderlich.

 

 

In der Zwischenzeit haben sich nicht nur der Name verifiziert, sondern auch das Betätigungsfeld geschmacklicher Berater. Es gibt Käsesommeliers, Wurstsommeliers, Brot- und Fleischsommeliers sowie Whisky- und Wassersommeliers. Salz und Zitronensommeliers stehen in den Startlöchern. Kürzlich wurde auf Sylt einer von 43 weltweiten Schokoladensommeliers gekürt.

 

Auch die Kunst folgt mit ihrer Genre Eat-Art der Idee des zuständigen Kellnerns für bildnerischen Geschmack, dem Kunst-Sommelier/der Kunst-Sommeliere!

 

Denn über Geschmack läßt sich vortrefflich, konstruktiv „streiten“! Und daraus entwickelt der Kunst-Sommelier einen Fragenkatalog, der sich dem Thema: „Wozu Kunst?“, „Was kann Kunst?“ und „Wie denkt Kunst?“ zu einem Kunsturteil heranwagen kann.

 

Dabei kann auf Fragen eingegangen werden, die sich teils konkret auf das Objekt beziehen, teils auch dessen kunstgeschichtliches und historisches Umfeld berücksichtigen. Die Fragen können sich auf die Technik, das Material, die formale Gestaltung, die Datierung, den Darstellungsinhalt (Ikonographie), die Stellung innerhalb eines künstlerischen Oeuvres wie einer Kunstepoche oder auf den historischen, sozialen wie kirchen-, staats- oder gesellschaftspolitischen Hintergrund (z. B. Auftraggeber, Kunstmarkt, Akademien, Kirchen, Staatsgebilden- und Idee) beziehen.

 

Das erste Bild wurde nach Erkenntnissen der Archäologen und Kunsthistoriker wahrscheinlich auf Stein gemalt, an die Wand einer Höhle bei Lascaux in Frankreich. Faszinierend ist dabei die Vorstellung, wie Menschen im Schein von flackernden Holzscheiten mit Holzkohle, Rötel und Manganerde Tiere und Menschen mit einem so genauen Blick für Bewegungsabläufe und Körperproportionen abbildeten, dass man die Vorstellung von unseren Vorfahren als primitiven Keulenschwingern sofort in Frage stellen müsste. Der Betrachter ist nämlich hier „allein“ der Schlüsselspieler: Er entscheidet, wie ein Bild gesehen wird, ob es zum Beispiel unter „gesellschaftlicher Skandal“, „künstlerisch bedeutungslos“ oder „als wichtiges und bedeutsames Werk“ läuft.

 

In dieser Frage geht es um die hochinteressante Frage, wie Künstler ticken. Warum malen sie ein Bild so und nicht anders? Was treibt sie an? Welche Rolle spielt das Seelenleben und – ganz wichtig – welche die Musen und die schreibenden Kolleginnen und Kollegen.

 

Als Basis der gemeinsamen Diskussionsrunden empfehle ich das Buch Nat Tate von William Boyd

 

Am 1. April 1998 laden David Bowie und William Boyd die interessierte New Yorker Kunstwelt ein: Nat Tate, ein in Vergessenheit geratener Expressionist, soll geehrt, ein Buch über Leben und Werk präsentiert werden. Die Szene folgt ihrem Ruf, Kritiker, Sammler, Galeristen, alle sind da und erinnern sich, jeder hat schon einmal von Tate gehört, ihn besser oder schlechter gekannt, seine Bilder gemocht oder abgelehnt. Und alle sitzen sie einem Schwindel auf. Was im Gewand einer tragischen Künstlerbiographie daherkommt - früher Tod der Mutter, Studium bei Hans Hofmann, erste Erfolge in den Fünfzigern, Erkennen der eigenen Mediokrität, Freitod mit einunddreißig -, ist in Wahrheit nichts weiter als eine Erfindung des gewieften Erzählers William Boyd. Fotos präsentiert er, Zeitzeugen, vermeintliche Bilder des Künstlers (die Boyd selbst gemalt hat), Begegnungen mit Picasso und Braque fingiert er. So überzeugend ist er, dass die Szene damals meinte, den Künstler Nat Tate völlig neu bewerten zu müssen. Dieses Buch ist ein wahres Fundstück, ein Spiel mit Sein und Schein, eine herrliche Gaunerei.

 

 

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