Ich arbeite oft an mehreren Projekten gleichzeitig.

Kürzlich habe ich mich mit  Gombrich´s Taschenbuch  „Geschichte der Kunst“ auseinander gesetzt.

„Wer die Sprache der Wissenschaft missbraucht, um dem Leser zu imponieren, nimmt ihn wirklich nicht ernst.“

 

Es lag einfach so rum, wie wir im Volksmund sagen. Gombrichs Buch „Geschichte der Kunst“ im Museumsshop der Hamburger Kunsthalle und „sagte zu mir“: Nimm mich mit, denn ich bin für unterwegs gedacht und auf extra leichtem Papier gedruckt.

 

Gombrich hat 1994 noch ein Vorwort zur 16. Auflage geschrieben. Gombrich war bis 1976 Professor für Kunstgeschichte an der University of London. Er gilt als einer der führenden Kunsthistoriker und erhielt weltweit zahlreiche Preise und Auszeichnungen. 2001 ist er in London gestorben. 2016 veröffentliche der Phaidon Verlag die erste deutsche Kompaktausgabe. Henri Cartier-Bresson, Fotograf, hat die Arbeit Gombrichs sehr prägnant zusammengefasst: >Gleichung: Wissen+Auge; Lösung=Gombrich!

 

Und der Kommentar von The Birmingham Post: >Es wundert mich eigentlich, dass in den Hotels die Geschichte der Kunst noch nicht neben der Bibel auf dem Nachttisch liegt, schließlich ist die Stimme Gombrichs genauso maßgeblich wie die Stimme Gottes…<

 

In der Zwischenzeit habe ich das Taschenbuch fast viermal gelesen, unzählige Anmerkungen und Unterstreichungen gemacht und könnte gerade wieder von vorne anfangen, da trotz oder gerade deswegen, die Taschenbuchausgabe mit fast 1000 kleingedruckten Seiten einschließlich unzähliger Bildbeispiele, immer wieder neue Fragen oder Bilder und gelernte Zusammenhänge im geistigen Augen auftauchen lässt, und nach Antworten sucht.

Am faszinierenden fand ich seine Eingangsthese, die wirklich für Diskussion sorgen wird:

 

„Genau genommen gibt es >die Kunst< gar nicht. Es gibt nur Künstler. Und er warnt vor dem hochtrabenden Kunstgeschwätz von Theoretikern und Kritikern, deren „Nachdenken und Reden über das Wesen der Kunst“ den Künstlern mehr geschadet hat als genützt.

 

Am Ende seiner Arbeit fasst er seine Thesen noch einmal in einigen Faktoren zusammen, die das neue Interesse an der Kunst und ihrer Geschichte auch unter dem Aspekt des schwindelerregenden Tempos in der die Zeit sich ändert, aufzeigt.Das gibt mir die Möglichkeit meine Position als Künstler, immer wieder neu zu fokussieren und zu bewerten.

Faktor eins bei der kunstgeschichtlichen Einschätzung scheint die Überzeugung seit dem 19. Jhrdt. zu sein, das die Geschichte etwas Unaufhaltsames ist und die Kunst, ähnlich der Technik und der Wissenschaft von irreversiblen Kräften vorangetrieben wird. Der Kunst wird dabei sogar eine besondere Bedeutung zugewiesen und als >Ausdruck des Zeitalters< angesehen. Die These, dass dabei die Künstler auf der Suche nach dem >Ausdruck der Zeit<  von ihrer jeweiligen Zeit abgelehnt und verlacht wurden, gleichzeitig aber als Vorreiter der Zukunft >Avantgarde> galten, ist weit im Volksmund oder beim Publikum verbreitet, aber nach genauerem Hinschauen und Vergleichen historischer Parameter so nicht zu halten. Ihre Ursprünge sind zumindest in der verstärkten  und notorischen Feindseligkeit der Kritik gegenüber den Impressionisten als Legende zu vermuten.

 

Faktor zwei ist der Wahrheitsgehalt der Wissenschaft, der sich oft nach langem Experimentieren  einstellt und als Wert oder Maßstab anerkannt wird. Bsp. E=mc²/Einstein. In der Kunst liegen die Dinge aber oft anders, als gedacht oder vermutet. Denn es fehlen oft rationale und wissenschaftlich fundierte Kriterien, um absurde und abstruse Ideen auf ihren Sinngehalt zu untersuchen. Damit sind Künstler und Kritiker in einem immerwährenden Kommunikationsdefizit. Sagt der Künstler nichts über sein Werk/sein Experiment, muss der Kritiker, um schnell am Markt zu sein, sich irgendwie positionieren. Im Umkehrschluss kann der Künstler erst später etwas über seine Arbeit sagen und genau das Gegenteil behaupten.

 

Faktor drei scheint auf den ersten Blick der Aspekt zu sein, in dem der Künstler grundsätzlich alles wissenschaftlich-technologische ablehnt und sich der Spontaneität und der Individualität bis hin zu mystischen Lehren und Denkmodellen zuwendet. Die Kunst wird dabei als der einzige Zufluchtsort angesehen, wo in einer rationalisierten und durchgetakteten Welt noch Eigenwilligkeit und persönliche Eigenart nicht nur toleriert, sondern sogar gewünscht und geschätzt wird. In der Zwischenzeit haben sich die Schockwellen der frühen DOCUMENTAS geglättet und früher aufgebrachte Bürger spielen heute sogar bei Performances von z.B. Abramovic lustvoll mit. Gombrich formuliert es hier präziser und obwohl die These aus dem Jahr 1995, der 16. Auflage stammt, ist sie für mich heute 2017 aktueller denn je. „Schließlich haben wir Freude an Menschen, die sich beharrlich weigern, erwachsen zu werden, und doch irgendwie einen Platz in der heutigen Gesellschaft finden.“ Und wir profitieren noch davon, wenn wir so unsere Vorurteilslosigkeit zur Schau stellen, dass nichts mehr schockieren und verblüffen kann. 

   

Faktor vier Da vor allem die Idee als freier Ausdruck der Persönlichkeit des Künstlers gesehen wird und auf die Romantik zurückgeht ist gleichzeitig auch die Diskussion entbrannt, inwieweit  die Psychoanalyse Teil der Erklärungsmusters Kunst ist, weil man der Ansicht war und noch zum Teil ist, dass der Künstler nicht nur das Recht sondern die Pflicht habe, sich in seiner Zeit alle Konventionen zu überwinden und sich aller Hemmungen zu entledigen. Die moderne Psychologie, so Gombrich, …“hat sowohl Publikum als auch Künstler ermutigt, Bereiche der menschlichen Psyche zu erforschen, die man früher als abstoßend oder als tabu betrachtet hätte. Um sich nicht nachsagen zu lassen, sie könnten der Wirklichkeit nicht ins Gesicht sehen, wenden heute viele ihre Augen nicht von Dingen ab, deren Anblick frühere Generationen gescheut hätten.

 

Am Ende fasst er noch einmal seine Gedanken zusammen. Hier ein Zitat, das ich besonders bemerkenswert aus historischer Sicht und als Perspektive zukünftiger Sicht betrachte. >Jede Generation revoltiert bis zu einem gewissen Grad gegen die Wertmaßstäbe ihrer Väter; jedes Kunstwerk verdankt seinen Erfolg bei den Zeitgenossen nicht nur dem, was es tut, sondern auch dem, was es unterlässt.<

 

 

Immer mehr Menschen haben und suchen den Zugang zur Kunst. Und es gibt ein zunehmend jüngeres Publikum, das sich seit Jahren für die zeitgenössische Kunst interessiert. Gerade den jungen Leute und denjenigen, die vielleicht noch unsicher sind, bietet sich hier die Chance der Auseinandersetzung. Denn im Zuge der Ästhetisierung der Lebenswelt ist die Aufmerksamkeit für die Kunst groß. Kunst wird zur Leitkultur für Mode und Design, die Kunstakademien müssen sich über Nachwuchs nicht beklagen, die Kunstmessen häufen sich aller Orten, Künstler, Galeristen, Sammler und Kuratoren werden zu Stars.

 

„Die Kunst der Gegenwart“ ist allerdings, so Hanno Rauterberg (Die Kunst und das gute Leben), „frei wie nie.“ [...] „Sie ist allen Zwängen  entschlüpft, aller Pflichten ledig, sie braucht keiner Farb- und Formenlehre folgen, sie ist den Ideologen, den Dogmatikern entkommen. Sie lebt ganz aus sich heraus!",  wie z.B. meine parallel laufenden Projekte, von ARTBNB bis WHATSART

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