FLAGS/FLAGGEN
Flags/Flaggen in der Wunderkammer 5 m²
Flaggen sind Zeichen. Sie machen etwas sichtbar: Wer bin ich? Woher komme ich? Zu wem gehöre ich? Oder: Was möchte ich mitteilen?
Ihre Geschichte ist eng mit der Seefahrt verbunden. Auf dem Meer mussten Schiffe schon von weitem erkennen können, wer ihnen entgegenkam. Flaggen wurden deshalb zunächst zu Erkennungszeichen und später zu einer Sprache, mit der Schiffe miteinander kommunizieren konnten – lange bevor es Funk gab. Auch die Nationalflaggen, wie wir sie heute kennen, entwickelten sich aus dieser Geschichte. Die holländische Trikolore mit ihren rot-weiß-blauen Streifen, die im 16. Jahrhundert entstand, gilt als eine der ersten modernen Nationalflaggen. Spätestens seit der Französischen Revolution wurden Flaggen zunehmend auch an Land zu politischen und nationalen Symbolen. Sie standen für Zugehörigkeit, aber ebenso für Unterdrückung, Widerstand und Befreiung. Eugène Delacroix' berühmtes Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“ von 1830 zeigt dies eindrucksvoll: Die französische Trikolore wird dort zum Symbol der Freiheit.
Flaggen begegnen uns heute überall. Sie kennzeichnen Staaten, Institutionen, Unternehmen und Vereine. Sie werben, schmücken und schaffen Aufmerksamkeit. Und besonders auf Föhr gehören sie zum alltäglichen Bild: Wer am Sandwall in Wyk unterwegs ist, sieht ein ganzes Meer unterschiedlicher Flaggen im Wind. Aber Flaggen können noch etwas anderes: Sie können sprechen.In der Schifffahrt gibt es ein internationales Signalalphabet mit 26 Buchstabenflaggen und zehn Signalflaggen für die Ziffern 0 bis 9. Die einzelnen Flaggen haben dabei nicht nur die Bedeutung ihres Buchstabens. Eine Signalflagge kann eine ganze Botschaft übermitteln. So bedeutet „O“ beispielsweise „Mann über Bord“, „V“ steht für „Ich benötige Hilfe“ und „G“ für „Ich benötige einen Lotsen“. Damit wird aus einem Stück farbigem Stoff ein Zeichen mit einer ganz bestimmten Bedeutung. Wer die Sprache der Flaggen kennt, kann sie lesen.
Und wenn man eine solche Sprache kennt – kann man sie dann auch für die eigene Kunst benutzen? Genau das war die Idee der Kinder-Uni Föhr in der Wunderkammer 5 m². Nach einer kleinen Vorlesung über Geschichte, Wirkung und Funktion von Flaggen und Fahnen wurde das internationale Flaggenalphabet zur Ausgangsbasis für die eigene Gestaltung. Die Kinder mussten die Zeichen nicht einfach übernehmen. Sie konnten sie verändern, kombinieren, zerlegen und neu zusammensetzen. Es wurde geschnippelt, geklebt, radiert und wieder neu gebaut. Farben und Formen wurden aus dem Flaggenalphabet entnommen und zu eigenen kleinen Flaggen-Kunstwerken entwickelt. Aus einem historischen Kommunikationssystem wurde so ein künstlerisches Spielfeld.
Denn eine Flagge muss nicht mehr nur sagen, wer ich bin oder was ich mitteilen möchte. Sie kann auch eine eigene Bildidee tragen. Sie kann einfach schön sein, irritieren, Fragen stellen oder eine ganz persönliche Geschichte erzählen. Vielleicht den eigenen Namen, das Wort MOIN oder den der Insel Föhr in Flaggenalphabet-Sprache bildlich gestalten. Und genau darin liegt die besondere Faszination von Flaggen: Sie funktionieren gleichzeitig als Zeichen und als Bild. Sie brauchen keine Sprache – und können trotzdem etwas erzählen.
Die entstandenen Arbeiten sind nun in der Wunderkammer 5 m² zu sehen – einem Ort, der selbst Teil dieser Geschichte ist: Die drei kleinen Ausstellungsfenster befinden sich im ehemaligen W.D.R.-Flaggenhäuschen am Wyker Hafen auf Föhr. Hier wurden einst Flaggen für die Schifffahrt aufbewahrt und genutzt. Heute entstehen hier neue Flaggen. Nicht mehr als Signale für Schiffe, sondern als Ausdruck der Fantasie von Kindern.
Flaggen/Flags in der Wunderkammer 5 m² – dem ehemaligen W.D.R.-Flaggenhäuschen, am Binnenhafen 2,
25938 Wyk auf Föhr