KUNST KANN LEBEN RETTEN !

 

      Eine Behauptung, die zunächst provoziert und gerade deshalb eine nähere Betrachtung verdient.        

 

 

 

Kunst besitzt die Freiheit, Wirklichkeit sichtbar zu machen. Sie kann Schönheit und Ästhetik untersuchen, aber ebenso gesellschaftliche Zustände offenlegen, Fragen stellen und Irritationen erzeugen. Sie gibt selten eindeutige Antworten – gerade darin liegt ihre Kraft. Auch die Arbeit der Feuerwehr gehört zu dieser Wirklichkeit. Täglich sehen wir Bilder von Feuerwehrleuten, die unter hoher körperlicher und psychischer Belastung für andere Menschen eintreten. Sie retten, schützen, sichern und handeln dort, wo andere zurückweichen müssen. Diese Arbeit künstlerisch zu thematisieren, birgt Chancen und Risiken zugleich: Zwischen Dokumentation und Sensationsästhetik verläuft eine schmale Grenze. Der Vorwurf des Voyeurs ist spiegelbildlich immer im Auge des Künstlers dabei.

 

Deshalb zeigt dieses Projekt nicht das Feuer selbst, nicht die Katastrophe und nicht das Spektakel des Unglücks und das daraus resultierende Leid. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Einsatzbereitschaft und möglicherweise Spuren des Einsatzes – die materiellen Zeichen von Verantwortung, Bewegung und Präsenz sind. Reifenprofile von Feuerwehrfahrzeugen, Stiefelspuren, Werkzeuge, Schläuche und Einsatzmaterialien werden auf hochwertigem Papier und Künstlerkarton zu grafischen Drucken, Collagen und Mixed-Media-Arbeiten transformiert. Die Feuerwehr erscheint nicht als Illustrationsfläche, sondern als Bild des Ausdrucks ihrer gesellschaftlichen Handlung. Leben retten!

 

In Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Nieblum-Goting und der kooperativen Hilfe von Amtswehrführer Hauke Brett, Wehrführer Jörg Carstensen (Wyk) und Wehrführer Kai Nissen (Nieblum-Goting) inszenierte der Föhrer Künstler Andreas Petzold (PAN) am Feuerwehrgerätehaus eine öffentliche Kunstaktion, bei der Einsatzfahrzeuge und Rettungsgerät selbst zu künstlerischen Werkzeugen umfunktioniert wurden. Feuerwehrleute wurden selbst zu kreativen Gestaltern. Die Serie, die als DIN A 1 Auflage von 20 Exemplaen + 5 e.a. begrenzt ist, bewegt sich dabei zwischen Pop-Art, Mixed-Media und performativer Aktion und nimmt bewusst Bezüge zu Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg sowie zu den Denkweisen von Fluxus auf. Die gemeinsame Arbeit orientierte sich an einem offenen Kunsthappening und wird später in den Stützpunkten zu sehen sein.

 

Die Farben Rot und Schwarz erscheinen dabei nicht als Symbol des Schreckens und der Angst, sondern als Warnfarbe, Alarmzeichen und Ausdruck gesellschaftlicher Aufmerksamkeit. Schwarz und Rot verweisen auf Abrieb, Ruß, Material und Arbeit. Nicht Zerstörung und Verlust, sondern Verantwortung soll sichtbar gemacht werden. Gleichzeitig stellt das Projekt eine zentrale gesellschaftliche Frage: Der Brandschutz in Deutschland basiert zu einem überwiegenden Teil auf ehrenamtlichem Engagement. Besonders im ländlichen Raum wird deutlich, wie sehr Sicherheit von Menschen abhängt, die freiwillig Verantwortung übernehmen – Nachbarn, Handwerker, Kaufleute, Rettungssanitäter/innen, Künstler und viele andere. Wenn dieses Engagement unsichtbar wird, gerät nicht nur die Feuerwehr, sondern ein wesentlicher Teil gesellschaftlicher Solidarität in Gefahr. Die Kunstaktion und das kreative Ergebnis soll deshalb öffentliches Interesse wecken, Diskussionen auslösen und Aufmerksamkeit schaffen – für die Feuerwehr ebenso wie für die Frage, welche Verantwortung Kunst in einer Gesellschaft übernehmen kann.                                                                                                 

 

Vielleicht rettet Kunst nicht unmittelbar Leben. Aber sie kann sichtbar machen, was Leben rettet. Die Feuerwehr zum Beispiel. Die Dokumentation der Idee gibt es unter www.kunsteins.de/kklr

 

 

KANN KUNST LEBEN RETTEN ?

 

 

 

 

Ausschlaggebend war die Weste der „Freunde der Hamburger Kunsthalle“ mit der Aufschrift „KUNST KANN LEBEN RETTEN!“

 

Einer Frage, der man durchaus nachgehen kann, um die Aussage in den richtigen Kontext zu bringen. Künstler haben zunächst einmal die Freiheit, ihre Beschreibung der Welt durch Kunst auszudrücken. Dabei können sie der großen Frage der Schönheit und Ästhetik in der Kunst nachgehen, aber auch auf gesellschaftliche Zustände aufmerksam zu machen. Überall aus der Welt können wir täglich live Feuerwehrleute sehen, die unter außergewöhnlichen Belastungen ihr Leben für andere einzusetzen. Das kreativ zu dokumentieren hat Vor- und Nachteile. Denn diese Freiheit kann in eine Gefährdung umschlagen, indem man mit künstlerischen Mitteln und Methoden Tabus bricht und Grenzen überschreitet, die ja gerade die Freiheit der Kunst ausmacht. Kunst wirft dabei Fragen auf, macht Missstände sichtbar, gibt allerdings selten Antworten.

 

Künstler sehen die Wirklichkeit nämlich aus einer anderen Perspektive und ermöglichen gerade dadurch erst auch den anderen Blick. Den anderen Blick auf eine unbekannte Perspektive. Die der Perspektive einer Feuerwehrfrau der Freiwilligen Feuerwehr Nieblum-Goting bei der Übung, um im Notfall-Einsatz Leben zu retten! Vielleicht das Leben eines Künstlers?

 

 

 

Und am Ende bleibt die Frage offen, ob Kunst Leben retten kann. Oder die Fragestellung durch öffentliches Aufzeigen immer aktualisiert und öffentlich stellt. Denn der Brandschutz in Deutschland steht vor einer unsicheren Zukunft: Mehr als 90 Prozent der Feuerwehrleute sind ehrenamtlich organisiert, auch der Nachwuchs fehlt.

 

In einer Gesellschaft, die immer älter wird, in der immer weniger Kinder geboren werden und in der immer weniger bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren, steht die Feuerwehr, insbesondere im ländlichen Raum, vor großen Herausforderungen. Deshalb ist es sinnvoll In der breiten Bevölkerung stärker den Ehrenamtsaspekt in den Fokus zu rücken. Viele Menschen seien der Annahme, wenn es richtig schlimm ist, kommt die Berufsfeuerwehr, ansonsten die Freiwillige Feuerwehr. Derweil sind es meist die Rettungssanitäterin, der Handwerker oder der Kaufmann aus der Nachbarschaft, die freiwillig kommen, wenn es brenzlig wird. Oder eben nicht, wenn sich niemand mehr engagiert.

 

FEUERWEHR KANN LEBEN RETTEN !

 

 

BEIDES KANN LEBEN RETTEN. 

WIR MÜSSEN NUR DAFÜR SORGEN!

 

 

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© Andreas Petzold #KUNSTEINS 2026