ICH BIN EIN QUADRATMETER

 

Ein Quadratmeter

Zumutung!

 

Alle Fotos zum Artikel "Ein Quadratmeter Erde als Kunst auf Föhr: Was soll das?" mit freundlicher Genehmigung von Julia Sassenberg, Redakteurin beim IB/Schleswig-Holsteinische Landeszeitung

 

 

Es ist still an der Meere, meinem heimlichen Naherholungsgebiet in Nieblum auf der nordfriesischen Insel auf Föhr.

Reset 2026/2027

 

Ungefähr 100 Meter von meinem Atelier befindet sich ein schwarzer Quadratmeter auf grünem Grund. Ein Projekt, das bald über ein Jahr ab dem 15.05.2025 den einen oder anderen Besucher zum Wundern, Staunen und Irritieren gebracht hat. Fragen selbstverständlich auch eingeschlossen.  Zumindest, wenn ich vor Ort war und angesprochen wurde. Ich musste immer wieder ein wöchentliches Dokumentationsfoto machen und die optischen Störfelder von nachts „wütenden“ Hasen und Rehen sowie tagsüber spielenden und neugierigen Enten befreien und das Quadrat rekonstruieren.

 

Der Spielplatz und die Konzertmuschel fürs Platzkonzert oder andere kulturelle und musikalische Highlights sind in Sicht- und Rufweite. Hier und da vereinigen sich Grüppchen von Elternpaaren mit Kindergelächter und freudig schauenden Opis und Omis. Viele halten allerdings ein Objekt der Begierde in der Hand. Ein Smartphone. Die Natur liegt parallel und pur vor den Füßen. Der Blick richtet sich allerdings aufs Smartphone und nicht auf die natürliche Umgebung, die einem eigentlich ins Auge springt. Das Handy scheint deutlicher Impuls- und Taktgeber der Aufmerksamkeit und der damit zusammenhängenden Wahrnehmung zu sein. Oder täusche ich mich aus verengtem Blick? Einige stehen jedenfalls im großen Sandkasten und zeigen sich scheinbar gegenseitig die Selfies mit ihren kleinen „Geistern“. Oder sie vergleichen die Ausstattung ihrer luxuriösen Ferienhäuser untereinander. Mein Haus, mein Garten, meine Saune, mein Garten mit Blick auf die Nordsee oder so ähnlich. Alles Unterstellung. Ich grabe ja nur mein Quadrat um. Vom 15.05.2025 bis heute im Sommer 2026 hat sich eine Menge um diesen Quadratmeter getan. Natur pur – kombiniert mit einem Anspruch an Kunst. Einer Kunst, die das Hinschauen auf etwas provoziert, was eigentlich alltäglich scheint. Das natürliche Umfeld.

 

Und hier ist es ein Quadratmeter auf einer grünen Wiese von Sonnenstrahlen garniert. Dennoch scheint auch bei schönem Wetter und lauem Nordseewind sowie einer entspannten Haltung die Notwendigkeit von ständiger Präsenz und Multitasking Fähigkeit unabdingbar. So zumindest mein Eindruck. Und der kann ja auch täuschen. Es bleibt deshalb die Frage von zu viel Handy-Bildschirmzeit, zu viel Internet, zu viel ständiger Selbstreflexion über den Bildschirm. „Ich bin noch da!“ symbolisiert fast schon Hilferufe, oder?

 

Parallel läuft das Leben an sich ab. „Sieh mal, die Möwe! Oder dort die bunte Ente. Hast Du die Gänseblümchen gesehen oder das Blesshuhn gehört. Das Schnattern der Enten, die nach Futter suchen? Weit gefehlt. Die Spielfreude der ganz kleinen beim Vorstellen ihrer Sandkunst aus der frühen Phase des abstrakten Expressionismus, lassen die Eltern nur lächeln oder schnell ein Selfie generieren, um sich dann doch wieder der Recherche für dieses oder Jenes zu widmen.

 

Meine Hände sind zwischenzeitlich mutterbodenhaft dunkel. Aus den entfernten Blicken der Smartphone Watchers erkenne ich den Fragestil. „Was macht dieser Mann da? Die Antwort ist einfach.  Der Mann da macht Kunst. Kunst im öffentlichen Raum. Kunst als Ausdruck des eigenen Selbstbildes. Kunst als Ausdruck des kreativen und gestalterischen Ichs. Der Mann ist nämlich Künstler. Wäre er Gärtner, würde er gärtnern. Wäre er Koch, würde er kochen. Aber er ist Künstler. Basta. Und ein Künstler macht Kunst, ob es der Öffentlichkeit passt. Oder nicht. So ist es jedenfalls!  Und dieser Ausdruck oder die Beschreibung, Künstler, hat einen unnachgiebigen Mitbewerber. Das Display eines elektronischen Begleiters. Und dieses Display funkt, piepst und schreit überall nach Aufmerksamkeit. Wie ein umgewickeltes und hungriges Baby. Aber es ist kein Baby. Oder vielleicht doch? Für manche Kinderwagen soll es bereits Displayhalter für die elektronische Nanny geben. Kürzlich sah ich ein Ehepaar im Restaurant, die setzten vor dem Studium der Speisekarten ihrem Kind einen Kopfhörer auf und stellten ihm ein farbiges Päd vor den Teller, bis das Essen kam. Sie selbst kommunizierte scheinbar auch mit und über das Handy.

 

Es ist die Vorstufe dessen, was den Kleinsten schon mit der Muttermilch eingeimpft wird. Multitasking Fähigkeit, Vielfalt und stände Präsenz. Der Gewinner ist nicht die Transparenz und Vielfalt, sondern die Erzeugung eines digitalen Tsunamis. Mahnende Worte, wie reduzierte Lesekompetenz, mangelnder Wortschatz, Verlust der Konzentrationsfähigkeit sind erkennbare Folgen. Hetze und Gewalt, Cybermobbing, soziale Isolation und Depressionen – ohne gleich auf Deep-Fake-Pornos einzugehen – ploppen nur kurzfristig bei den Erziehungsberechtigten auf. Beim Umgang mit Alkohol und Sex leisten wir uns das Bild der Furie, die ihre Brut bis ans Messer verteidigt. Bei der Nutzung des Smartphones nennen wir es verlogen und selbstbetrügerisch Förderung der kommunikativen und medialen Kompetenz. Wir machen es den kleinen Rakkern vor.

 

Schaue ich mir gerade meine Fingernägel an, muss ich gestehen, dass sie kajalstifthaft schwarz glitzern. Die Erde hat die Chance genutzt, meine Haut auszutrocknen. Füße, Knie, Hände und der kreative Geist haben ein neues, schwarzes Quadrat geschaffen, das in der kommenden Saison optisch und spielerisch Offlinefähigkeit symbolisieren soll. Vom Selfie bis zur wöchentlichen Dokumentation allerding abgesehen. Denn die optische Offlinefähigkeit soll natürlich mittels der Kunst in die Welt getragen werden, um die frohe Botschaft auch breit zu verkünden.

 

Verbote habe in der Geschichte der Menschheit kaum eine Änderung des s oder der Strukturen geschaffen. Aber auch das kann ja eine kollektive wissenschaftliche und gesellschaftliche Illusion sein. Alles, was wir transparent, offen, liberal und hinterfragen kann natürlich ob der Bedingungen nicht immer zum Erfolg führen. Das Versteckspiel lässt sich auch nicht durch das Abschalten des Internets beenden. Selbst wenn autokratische Systeme gerne Zensurmechanismen zur Steuerung von Menschen einsetzten. Mittels des Nürnberger Trichters wurde versucht, alles in uns einzutrichtern. Die sogenannte Allgemeinbildung wurde über Generationen als Monstranz vor uns hergeschoben, während die Welt und deren Vielfalt sich in immer kürzeren Intervallen veränderte.

Deshalb entsteht hier im wahrsten Sinne des Wortes von Ernst W. Gombrich, ein Brutkasten/ein Quadrat mit insektenfreundlichen Pflanzen und für die Augen ein farbliches Wechselspiel bis in den Herbst/Winter! Im Laufe der Zeitr wird sich nämlich das "quadratische Bild" vielfarbig eintwickeln und von oben betrachtet vielleicht an niederländische Blumen.Stillleben erinnern. Ein offenes Angebot zum Staunen, Lachen, Wundern, Erfreuen, Irritieren und auch zum Ärgern. Denn Kunst ist frei und muß werder jedem gefallen. Sie, die Kunst, muss nämlich garnichts. Sie isrt ein Angebot an das Auge und das Herz. Ich nehme gerne kritische Reaktionen unter moin@kunsteins.de an!

 

 

 

 

Ich arbeite nahe an der Natur des „Weltnaturerbe Wattenmeer“, gleichsam aus ihr  heraus. Meine Arbeiten & Ideen sind keine Gegenentwürfe zur Stadt und zu „UrbanArt“, sondern tendieren dazu, einzig in der Natur aufzugehen. Dabei erscheint häufig die dunkle, ocker- oder sepiahafte sandige und schlickhafte Fläche am Strand und im Watt oder die grüne Seite der Landschaft der Insel Föhr in meinem Fokus. Ich sehe die Vorgänge als Sinnbilder dessen, was uns im Leben zustößt; es ist keine Kunst der künstlerischen Idylle. Die Materialien sind strikt natürlich. Diese Kunstrichtung geht zurück auf Werke von Walter de Maria, Robert Smithson und Robert Morris. Mit ihren "Earthworks" wollten diese Künstler, angesichts der gewaltigen Umweltprobleme, einen Appell an die Menschheit richten. Ihre Kunstwerke sollten die Menschen motivieren, ihr Verhältnis zur Natur zu überdenken, und wenn möglich wieder in ein Gleichgewicht bringen. "Land-Art" und "Nature-Art" wurden dabei zur wichtigsten Richtung in der Avantgarde.

 

Die Aktionskunst, ihrer Natur nach vergänglich, kann allerdings nur in den Kommunikationsprozess eintreten, wenn sie fotografisch dokumentiert werden. Konzept und Arbeitsprozess werden parallel genau so wichtig, als die "Ästhetik des Objekts" das daraus resultiert. Viele dieser Projekte zeichnen sich durch ihre Vergänglichkeit aus, weshalb sie durch S&W- und Farbfotografien, Videos und kleinen Texten dokumentiert werden. Meine Absicht ist es nicht, meine Spuren in der Landschaft zu hinterlassen, sondern intuitiv in ihr zu arbeiten, sodass meine Werke, wie z.B. das Quadrat, so flüchtig es auch immer sein mag, eine einfühlende Beziehung zur Natur manifestieren. Es ist der Blick zurück hin zur Entdeckung des "ästhetischen Augenblicks". Die Freiheit der Kunst im öffentlichen Raum ist nicht selten eine Zumutung. Sich trotzdem zu positionieren und das auszuhalten, macht eine funktionierende Demokratie in ihrem Kern aus. Für den Künstler wie für den Betrachter!

 

Thematisch bewegt sich die Idee zwischen gärtnerischer Planung und künstlerischer Inszenierung mit einem Höchstmaß an Authentizität. Elemente aus der Kunstgeschichte, der Kunsttheorie und der bildnerischen Wahrnehmung und sowie aktiver Einbeziehung bilden die Dialogebene für die Arbeit. Auf der Suche nach ungesehenen, kreativen Wahrnehmungsräumen werden Menschen, die auf die Arbeit im öffentlichen Raum  aufmerksam geworden sind, mitgenommen. Entweder durch die Erklärungen über einen QR-Code, der plakativ auf das Quadrat verweist und inhaltliche Erläuterung ermöglicht oder der Gesprächsbereitschaft, auf die ich hinweise, um Rede und Antwort zu geben, wenn ich aktuell noch im Zufallsbetrieb beim Gießen künstlerischem Intervenieren vor Ort bin.  Und da treten fast automatisch bei der Frage, „Was machen Sie da?“ Irritationen, Heiterkeit und Humor, Erkenntnis aber auch Ablehnung auf. „Und das soll Kunst sein? Na, wenn Sie meinen!“

 

 

 

Es ist meine Strategie als Künstler, der jahrelang mit dem künstlerischen Genre FLUXUS spielt, Irritation als Mittel der Kommunikation einzusetzen, um Betrachter:innen offen herauszufordern, über ihren Begriff von Kunst und ihre eigene Wahrnehmung nachzudenken.

Kunst im öffentlichen Raum umfasst auch immer wieder Interventionen und Aktionen von  temporärer Prägung und Dauer. Hier wird keine Skulptur öffentlich vorgestellt und bis zum Abbau oder bis zum Vergessen betreut und behutsam begleitet. Zusätzlich wird hier ein Prozess der Wahrnehmung in Gang gesetzt. Dieser Prozess ermöglicht die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen der Gesellschaft und schafft neue Blickwinkel auf eine scheinbar vertraute Umgebung. Und das kann schon für Verunsicherung aber auch Erkenntnis durch einen anderen Blickwinkel sorgen!


 

25.06.2025

 

Kunst ist der Brutkasten für fragwürdige Dinge.

 

Auf Föhr, auf dem Festland und dem Rest der Welt. Kunst ist deshalb Teil der öffentlichen Wahrnehmung und des sich daraus abzuleitenden gemeinsamen offenen Dialoges. Das „kleine Schwarze“ an der Meere in Nieblum nimmt langsam - wie im Brutkasten – Form an und reizt Besucher, wie Einheimische beim Anblick aus anderer Perspektive doch zum Nachfragen.  Was machen Sie da? Andere beobachten mich aus dem Schutz der von der Gemeinde bereitgestellte Strandkörben und bewegen sich später an en Ort der Begierde, der aussieht, wie eine Grabstätte.

 

Grundlage der öffentlichen Inszenierung oder präziser formuliert, die  künstlerische Idee, ist ein schwarzes Quadrat als Hommage an den Künstler Kasimir Malewitsch, der am 15.05.2025 seinen 90ten Todestag hatte. Mit Mutterboden „grundiert“ wächst in den kommenden Wochen und Monaten ein Bild aus Wildblumensamen, die gerade in der warmen Frühlingssonne aufgehen und verändern ein formal schwarzes Quadrat in ein farbiges Etwas. Ein Kunstwerk vielleicht. Aktuell ist der farbliche Zustand grün. Die Wachstumsphase passt sich naturgemäß dem aufkommenden Frühling an und der Sommer wird hoffentlich bis in den Herbst hinein sein Nötigstes tun, um der Kunst Vorschub zu leisten.

 

Zeit und natürliches Klima werden die eigentlichen Künstler sein. Der Betrachter ist dabei Teilhaber, der sein Bild in seinem Kopf vervollständigen kann, falls er sich darauf einlässt. Ob als Interpretation eines niederländischen Stilllebens aus dem 18.Jhrdt oder als farbliches Experiment, das zu beobachten Freude, Staunen und auch Irritationen und Fragen auslösen kann.

 

„Die wahre  Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu suchen, sondern mit anderen Augen zu sehen!“ - Marcel Proust

 

 

 

Jeden Tag ist ein kleiner Fortschritt zu erkennen!

 

07.08.2025

Ende der ersten Wachstumsphase mit Beschnitt und

gleichzeitigem Neustart für die im Schatten lauernden Jungpflanzen, die zum Teil

als Nahrungsquelle für Karnickel und Enten dienen und natürlich Spuren hinterlassen,

wie man an den "Grabungen" im Foto vom 07.08.2025 und 10.08.2025 sehen kann.

 

 

 

 

Am 15.Mai 2025 ist der 90.Todestag des Künstlers Kasimir Malewitsch. Dabei steht für mich gezielt der Quadratmeter im Fokus meiner künstlerischen Auseinandersetzung. Kunst ist für mich dabei immer wieder Teil der öffentlichen Wahrnehmung und des Dialoges.  Seinen Siegeszug begann das Quadrat übrigens als „Urknall“ der Kunstgeschichte im 20.Jhrdt. Ein einfaches Quadrat auf einem weißen Stück Stoff. Kasimir Malewitsch hat damit später bewusst oder unbewusst nicht nur ganze Künstlergenerationen verwirrt und beeinflusst. Er nannte es die "reinste Form der Abstraktion."

 

Ich habe seine Idee von 1919 aufgegriffen und zum 15.Mai.2025 in Absprache mit der Gemeinde Nieblum einen Quadratmeter an der Meere in einem gärtnerisch-kreativen Gestaltungsprozess ausgestochen. Es ist der Startschuss für ein vielfältiges quadratisches insektenfreundliches Wildblumenbeet, das bildhaft heranwachsen kann. Die Natur selbst wird dabei der Gestalter des Bildes sein und bis zum Herbst/Winter und dem Ende der Vegetationsphase ein hoffentlich farbiges Blumenbild entwickeln. Meine Funktion wird die eines Chronisten sein und zu unterschiedlichen Tageszeiten den Ist-Zustand fotografisch dokumentieren und hier auf der Projekthomepage zu veröffentlichen. Die entstehenden Fotos werde ich zusätzlich zur kreativen Transformation verwenden, um den Blick auf das Quadrat zu schärfen!

 

Über eine Infotafel mit QR Code können sich Gäste und Einwohnerder Insel Föhr über das Projekt informieren und vielleicht die Idee in ihrer Heimatgemeinde übernehmen.

 

#daskleineschwarze #square #quadrat #carrée

 

 

 

Andreas Petzold KUNSTEINS

 

 

 

15 May 2025 is the 90th anniversary of the death of the artist Kazimir Malevitsch. For me, the square metre is the focus of my artistic exploration. For me, art is always part of public perception and dialogue.  Incidentally, the square began its triumphal march as the "big bang" of art history in the 20th century. A simple square on a white piece of fabric. Kazimir Malevich later consciously or unconsciously confused and influenced entire generations of artists. He called it the "purest form of abstraction."

 

I took up his idea from 1919 and on May 15, 2025, in consultation with the municipality of Nieblum an der Meere in a horticultural-creative design process and gave the starting signal the starting signal to create a diverse, square, insect-friendly wildflower bed. Nature itself will be will be the creator of the picture and will hopefully create a beautiful and the end of the vegetation phase to create a hopefully colorful flower picture. My role will be that of a chronicler, photographically documenting the current state at different times of day. Via an information board with a QR code, guests and residents of the island of Föhr can can find out about the project and perhaps adopt the idea in their adopt the idea in their home community.

#daskleineschwarze #square #quadrat #carrée

 

 

 

Andreas Petzold KUNSTEINS

 

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