MOiN YVES
Blau als Farbe gilt als zeitlos, trotzdem hat es aktuellen Anlass. In Zeiten von weltweiter Unruhe, politischer wie wirtschaftlicher Unsicherheit „suchen die Menschen nach Ehrlichkeit und nach Vertrauen - und dafür steht Blau“, erläutert Kalthegener. Eine ähnliche Erklärung hat das Pantone-Institut: Dieses Blau erinnere an den Abendhimmel. Das sei „Ausdruck unserer Sehnsucht nach einer verlässlichen und sicheren Basis, auf die wir an der Schwelle zu einer neuen Ära aufbauen können“. Blautöne werden in der Farbforschung insgesamt als beruhigend empfunden, der gewählte Ton vermittele „ein willkommenes Gefühl von Ruhe, Harmonie und Geborgenheit (...). Gleichzeitig transportiert der reflektierende Blauton Classic Blue auch Optimismus und Lebensfreude“, so zumindest Pantone.
Dieser Impuls motivierte und stärkte YB, den Weg in die unendliche Existenz der Farbe - insbesondere der des Blaus – in der Zukunft zu gehen. Seine Arbeiten, die alle ihre Grundlage in einer immensen Reisetätigkeit haben, sind Zeugnis einer tiefen Rastlosigkeit und wahnsinniger Schaffenskraft, ähnlich seines großen Vorbildes Yves Klein. Endgültige Festigung seiner Werksidee erfuhr er jedoch durch ein zufälliges Treffen mit Olafur Eliasson in Aarhus im ARoS, wo ihn das Blau im Rainbow Panorama wirklich flashte und den finalen Kick gab.
Aber auch die Begegnung mit Jonathan Meese, dessen Gesamtkunstwerksthese „Offenes Berlin“ und „Offenes Wien“ er als Basis der Entwicklung einer freien, blauen Welt beschreibt, in der die Farbe Blau die Grundlage einer offenen, demokratischen und liberalen Gesellschaft bereitet und der Mensch als sensibler Betrachter und Akteur zur gleichen Zeit agiert.
Auch unsere Redensarten wurden „imprägniert“, in denen die symbolische Wirkung der Farben zum Tragen kommt. Formulierungen, wie „sich schwarzärgern“, „Gelb vor Neid werden“, „Rot sehen“, „etwas durch eine rosarote Brille sehen“, „eine weiße Weste tragen“, „Gold in der Kehle haben“, „einen Silberblick haben“, „noch grün hinter den Ohren sein“ oder „den grauen Alltag hinter uns lassen“, um schließlich „ins Blaue fahren“, sind Bestandteil jener sprachlichen Vereinnahmung. Wir können also unsere Gefühle und Empfindungen bestimmten Farben zuordnen. Und das ist vielleicht gut so. YB lebt es uns in und mit seinen Arbeiten vor. Allerdings im Wege der Anonymität. Nach eigenen Angaben hält YB seine Identität deswegen geheim, um nicht in irgendeiner Form eingeschränkt sein zu müssen. In der Anonymität könne er völlig losgelöst konzeptuell und frei von Normen und Markt-Trends agieren. Mit dem Projekt „Je suis NF“ positioniert er sich gerade in Norddeutschland. Sein anonymes Konzept stärkt er mit einer Signatur aus drei Punkten, die teilweise den Charakter eines Versteckspieles annehmen. Aber das ist in der Wunderkammer, dem ehemaligen W.D.R. Flaggenhäuschen am Wyker Hafen, ja gewollt und Bestandteil des kreativen Programmes.
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Chaque bleu est une révélation, mais avec trois points .. .
Every blue a revelation, but with three points ...
Jedes Blau eine Offenbarung, aber mit drei Punkten .. .
Appropriation Art ist blau
Appropriation Art definiert eine Kunstform, die sich mit der Kopie bereits existierender Kunstwerke beschäftigt. Die Entwicklungslinien der Appropriation Art reichen zurück bis ins frühe 20. Jahrhundert und finden ihre Wurzeln beispielsweise in den Readymades von Marcel Duchamp, bei Pablo Picasso, bei Giorgio de Chirico und schließlich auch in der Pop Art.
Vertreter der Appropriation Art sind u.a. Künstler Sherrie Levine (geb. 1947), Mike Bidlo
(geb. 1953) und Philip Taaffe (geb. 1955). Sie selbst wiesen sich diesen Ausdruck zu Beginn der 1980er Jahre zu. Im weiteren Sinne fand der Begriff Appropriation Art allerdings für
alle Zitate innerhalb der postmodernen Kunst Verwendung, weshalb die Bezeichnung zunehmend an Trennschärfe verlor. Um ein Werk der Appropriation Art zuzuordnen, sollten mehrere Kriterien erfüllt
sein: Erstens gilt als temporärer Rahmen eine Einschränkung auf die 1980er Jahre. Zweitens muss der absichtsvolle, drittens der konzeptuell erarbeitete Gebrauch einer Kopie oder eines Zitates
erkennbar sein.
Wenn Künstler nach den Prinzipien der Appropriation Art arbeiten, dann verfolgen sie ihre Kopistentätigkeit entlang
unterschiedlicher Strategien. Mike Bidlo beispielsweise fertigte detailgetreue Wiederholungen, wobei er jedoch nicht das originale Werk, sondern stets Kopien als Vorlage benutzte. In Sherrie Levines
Oeuvre hingegen finden sich Fotos, die ihrerseits Fotografien oder Reproduktionen von Werken anderer Künstler unverändert abbilden. Ferner berührt die Appropriation Art auf einer theoretischen Ebene
stets den Diskurs über die wechselseitigen Beziehungen zwischen Original und Replik.
Weitere Künstler, die aufgrund der von ihnen verwendeten Techniken oder Konzepte dem Umkreis der Appropriation Art
zugerechnet werden können, sind Allan McCollum, Stephen McKenna, Carlo Maria Mariani, Elaine Sturtevant und Rosemarie Trockel.
Ich habe mich sehr früh mit Arbeiten von Yves Klein, Mike Bidlo und den Arbeiten von Elaine Sturtevant auseinandergesetzt und mich dabei immer wieder stilistisch positioniert.
Yves Bleu Atelier du Phare Bleu
F22190 Plérin/France
G/PJ+34 Plérin