SEHZEICHEN

Ich sehe was, was Du nicht siehst! Und das sind

 

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Versuche kreativ und aus einer anderen Perspektive aufs Meer zu schauen.

 

 

Der Nationalpark Holsteinisches Wattenmeer ist mit einer Fläche von etwa 4400km² Teil des 2009 definierten UNESCO-Weltnaturerbes und damit existenzieller Lebensraum von vielen Millionen Menschen und Tieren. Es ist auch Projektionsfläche für Fernweh, Freiheit und Sehnsucht. Das Meer ist dabei Mittler zwischen Kontinenten und Gesellschaften und deren Lebensgrundlage als maritime Ökosystemleistung, die sowie als materielle als auch immaterielle Art sein können.

 

Kulturelle Ökosystemleistungen subsummieren dabei ästhetische Wahrnehmung von Meereslandschaften, Inspiration für Kunst und Kultur und Kulturerbe bedeutsamer Landschaften, Orte und Regionen. In der Kunst war der Blick der Vergangenheit stark romantisiert. Szenarien und Fakten haben aber den Blick verändert und eine vielschichtigere Bildsprache entwickelt, die das Sehen des kritischen Zuschauers herausfordert. Meine Arbeiten bewegen sich zwischen Collage, Reproduktion, Übermalung und Druck kombinierter Fragmente des vertrauten historischen und romantisierten Blicks mit zeitgenössischer Position zwischen Original und editiertem Social-Media-Blick des Laptops und Smartphones. Das angedeutete Kreuz ist Stilmittel und Metapher zugleich.

 

 

 

Das Meer ist nicht nur das, was gesehen wird. Es ist das, woran sich Sehen ereignet.

 

Unsere Wahrnehmung ist keine fehlerhafte Kopie der Wirklichkeit (Beau Lotto). Vielmehr konstruiert unser Gehirn aus sensorischen Informationen eine für uns brauchbare Wahrnehmung; Kontext verändert, was wir sehen. Ergänzend schaue ich auf John Berger. Sein Ausgangspunkt in Ways of Seeing lautet sinngemäß: Sehen kommt vor den Worten. Und zugleich ist das Verhältnis zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wir wissen, niemals endgültig geklärt. Ergänzend könnte man Gustave Courbet zitieren. Er malte Bilder der nordfranzösischen Küste und entwickelte dort seine „paysages de mer“. Besonders interessant ist, dass seine Meeresbilder häufig auf Horizont, Himmel, Wasser und Welle reduziert sind.

 

Bei Mark Rothko wird es für mich noch radikaler. Da ist irgendwann kaum noch etwas, das man im traditionellen Sinne „erkennen“ kann. Farbe, Fläche, Übergang, Schweben, Tiefe. Und plötzlich fragt man nicht mehr: Was stellt dieses Bild dar? sondern: Was geschieht mit mir, während ich es ansehe? Das ist für meine Sehstücke vielleicht eine zentrale Frage. Denn auch beim Meer kann etwas Ähnliches passieren. Man sieht zunächst: Wasser – Horizont – Himmel. Nach einigen Minuten aber verschwindet die Benennung. Und irgendwann merkt man vielleicht: Ich schaue gar nicht mehr auf das Meer.


Ich schaue einfach. Das wäre für mich der Rothko-Moment meiner Arbeiten. Und komme zu der Erkenntnis:

 

Sehen heißt suchen! Und das ist der Bezug zu meinen Arbeiten.

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© Andreas Petzold #KUNSTEINS 2026